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Presseinfo: Kölnische Rundschau - Sexanzeigen in angeblicher Polizeibroschüre

Originaltext Kölnische Rundschau

Sexanzeigen in angeblicher Polizeibroschüre

03.01.07

BONN. Der Fall scheint völlig verdreht zu sein: Ein monatlicher Sicherheitsratgeber, der redaktionell von der Polizei-Basis-Gewerkschaft (PBG) betreut wird, wirbt mit Anzeigen für einen thailändischen Massagesalon? Nicht innerhalb des Heftes, vorsichtig versteckt, sondern direkt auf dem Titelblatt sind drei leicht bekleidete Frauen in eindeutiger Pose zu sehen, die für „die komplette Entspannung rund um den Mann“ werben. Das Thema der Broschüre „Sicherheit Heute“ beschäftigt sich aber mit „Kindesmissbrauch und Sex-Tourismus“. In einer weiteren Ausgabe geht es um das Thema „Der sichere Schulweg“.

Da die Broschüre auch in Schulen und Behörden verteilt wurde, sorgten die zwei Hefte für einen riesigen Skandal, der demnächst vor dem Bonner Landgericht verhandelt wird.

Dazu muss man wissen, dass die Polizei-Basis-Gewerkschaft eine Abspaltung der Gewerkschaft der Polizei (GdP) gewesen ist. Der Gründer der PBG wurde 1994 aus dem Bundesvorstand der GdP ausgeschlossen. Wer sich nicht genau die Geschäftsbedingungen der Broschüre durchliest, hat nach Schaltung einer Anzeige gleich zwölf oder 18 gekauft, ohne es zu wissen. Die GdP jedenfalls distanziert sich von der PBG und wird nicht müde, davor zu warnen. Auch Innenministerien und Landeskriminalämter bitten um Vorsicht, wenn Kunden angeblich im Auftrag der Polizeigewerkschaft geworben werden.

Mit solcherlei Werbepraktiken will auch der Bonner Betreiber des Sex-Clubs getäuscht worden sein: Der Werber habe ihm versichert, dass es sich um eine Publikation handelt, die ausschließlich von Polizeibeamten gelesen werde. Zwar habe er sich „Gedanken gemacht, ob eine Annonce in Polizeikreisen für seinen thailändischen Massageclub" geeignet sei, habe sich aber dafür entschieden. Einer Probeausgabe habe er schließlich zugestimmt. In der ersten sei seine Anzeige in der Mitte des Heftes versteckt gewesen. Dann aber erschienen die Ausgaben mit seiner Annonce auf dem Titelblatt - ohne sein Einverständnis und seinen Auftrag, sagt er.

Ein Sturm der Entrüstung blieb nicht aus. Vor dem Thai-Salon kam es zu Protesten Feuerlöscher wurden an der Hauswand des Sex-Clubs entleert; Drohanrufe und Briefe haufenweise. Der Schulleiter eines Mädchengymnasiums erzürnte sich: „Ob das Etablissement jetzt den Nachwuchs aus der Schule rekrutieren wolle . . .."

Der Betreiber reagierte, wie er beteuert, entsetzt. Auch habe er dem Verlag, der die Broschüre der Polizei-Basis-Gewerkschaft vertreibt, untersagt, weiter zu inserieren. Der Verlag aber hat jetzt den Inhaber des Thai-Massage-Salons verklagt auf über 5000 Euro Schadensersatz. Laut Klageschrift, die jetzt beim Bonner Landgericht eingegangen ist, habe der Betreiber des Sex-Clubs einen 12-Monats-Vertrag abgeschlossen, pro Anzeige sollten 580 Euro bezahlt werden. Drei Anzeigen seien erschienen, und nur eine sei bezahlt worden. Mit dem heiklen Fall müssen sich demnächst drei Richter der 1. Zivilkammer beschäftigen.

Der Landesvorsitzende der PBG, Polizeihauptkommissar Dieter Uekermann (Bochum), sagte auf Anfrage, die PBG sei nicht Herausgeber der Monatszeitschrift, sondern liefere nur die redaktionellen Texte zu sicherheitsrelevanten Themen. Für die Anzeigen sei der Verlag verantwortlich, von dem sich die PBG trennen wolle. Uekermann: „Das wird in Kürze abgestellt.“ (ucs)

http://www.rundschau-online.de/jkr/artikel.jsp?id=11624842927


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