17.10.2000
Hamburger Morgenpost
Mister X
Hunderte Hamburger sind schon drauf reingefallen - vor allem Selbstständige, Unternehmer und Existenzgründer. Die Täter: so genannte Adressbuch-Schwindler. Sie gestalten ihre Briefe so, dass der flüchtige Betrachter der Überzeugung ist, die Handelskammer, das Handelsregister oder die Telekom sei der Absender. Immer dabei: Ein fertig ausgefüllter Überweisungsträger. Wer glaubt, es handele sich um eine amtliche Gebühr und zahlt, ist der Dumme.
Es ist der 1. Januar 2000. Der Hamburger Werbekaufmann Andreas Meyer macht sich selbständig und trägt sein Unternehmen, die Firma "Kommunikationsdesign e. K.", ins Handelsregister ein. Nur zwei Tage vergehen, da bekommt Andreas Meyer Post vom "Register-Verzeichnis - Industrie, Handel und Handwerk" in Ahlen/Westfalen. Betreff: Register-Neueintrag. Daneben ein Zahlschein über 889,90 Mark.
Die "Handelsregister-Masche"
In den darauffolgenden Tagen treffen drei weitere Briefe ein. Einer von der "Datenzentralverwaltung" in Kelsterbach, einer von der "HIK GmbH Datei Flensburg - Handel, Handwerk, Industrie" und einer von der "HBR GmbH Datenregister" aus Meinzerhagen. Auch sie wollen Geld: Einmal soll Meyer 997,75 Mark zahlen, einmal 1160 Mark und einmal 1264 Mark - und zwar "für die Registrierung als Leistungsbezieher", wie es in einer der Rechnungen heißt. Natürlich fehlt auch nicht die fettgedruckte Angabe: "zahlbar innerhalb von zehn Tagen".
Andreas Meyer riecht, dass was faul ist. Er liest sich aufmerksam das Kleingedruckte durch - und stellt fest, dass ihm in allen vier Fällen ominöse Adressbuch-Verlage Anzeigenaufträge unterjubeln wollen. In winziger Schrift heißt es da zum Beispiel: "Die Annahme unserer Offerte erfolgt durch Zahlung des o. a. Betrages..." Was absichtlich wie eine amtliche Rechnung gestaltet ist, ist nichts anderes als ein Angebot - auf das selbstverständlich niemand eingehen muss.
Dubiose Verlage, die mit der selben Masche unterwegs sind, gibt es Hunderte. Hamburger Unternehmen werden geradezu überschüttet mit Rechnungen für Anzeigen, die nie in Auftrag gegeben wurden. Die Anbieter setzen gezielt auf Organisationsschwächen in einem Unternehmen und spekulieren darauf, dass ein Mitarbeiter den geforderten Betrag bezahlt, weil er annimmt, sein Vorgesetzter habe den Auftrag erteilt. Vor allem in der Ferienzeit streuen die Abzocker-Firmen ihre "Rechnungen" - in der Hoffnung, dass eine Urlaubsvertretung sie in die Hände bekommt und begleicht.
Die "Telekom-Masche"
Ganz aktuell: die sogenannte Telekom-Masche. Ein Opfer ist die Hamburgerin Susann Zinngrebe, die Inhaberin des "Wandsbeker Musikhauses". Am 28. Juni findet ihre Mutter in der Post eine Rechnung, die überschrieben ist mit "Branchentelefonbuch". Im Briefkopf die Firmenbezeichnung: DeInMedien AG, Kundenniederlassung, Postfach 310413, Berlin. Frau Zinngrebe ist überzeugt, es mit der Telekom-Tochter DeTe Medien zu tun zu haben, die die Gelben Seiten herausgibt. Also zahlt sie 452,40 Mark. Was sie dafür als "Gegenleistung" erhält? Ein Eintrag des "Wandsbeker Musikhaus" in das Internet-Branchenbuch "www.onlineauskunft.com". Schon davon gehört? Genau! Deshalb nutzt dieses Verzeichnis auch niemandem was. |