| Wie sich Firmen vor dubiosen Adressverlagen schützen können
von Kid Möchel | 09.05.2008
Fragwürdige Adressfirmen locken Unternehmen mit scheinbar kostenlosen Eintragungen in Branchenverzeichnisse. Wer dabei das Kleingedruckte übersieht, zahlt fest drauf.
Die Abzockmasche ist überaus plump, aber anscheinend außergewöhnlich lukrativ.Anfang März 2008 verschickt ein Unternehmen, das sich "Der Gelbeindex/ Media Service" nennt, per Fax en gros Formulare an österreichische Firmen mit einem Angebot: "Kostenloser Eintrag ins Branchenverzeichnis nur für Firmen, keine Privatkunden." Oben auf der rechten Seite des Fax-Formulars prangt eine österreichische Flagge mit Bundesadler. Im Fax-Fuß heißt es: Achtung !!! Angebotsende 10. März 2008. Das Rückfax soll an eine Telefonnummer mit Grazer Vorwahl geschickt werden.
Der Clou findet sich im Kleingedruckten. Darin heißt es: Die einmalige Aufnahme ihrer Firmendaten ins "Online - B.v. ist bis zum unten angeführten Datum kostenlos. Der Vertrag hat eine Laufzeit von drei Jahren. Die Mitgliedschaft für das Online B.v. beträgt monatlich 80 Euro.(...) Der Vertrag läuft automatisch aus und bedarf keiner weiteren Kündigung. Der Unternehmer bestätigt mit seiner Unterschrift, dass er zur Auftragserteilung berechtigt ist. Die gesetzliche Kündigungsfrist beträgt zwei Wochen nach Vertragsabschluss. Innerhalb der Laufzeit ist der Vertrag nur zum Jahresende kündbar.
Insgesamt wären also für diesen "Branchenregistereintrag" 2880 Euro zu berappen. Die Liste derartiger Branchenverzeichnis-Trickser ließe sich endlos fortsetzen. Oft schicken die Abzocker Anwälte vor und klagen die "säumigen" Firmen auf Zahlung.
Achtung Fallen
"Die Beschwerden von Unternehmern über Werbekriminalitätsfälle beziehungsweise irreführende Erlagscheinwerbung nimmt immer mehr zu. Wir bekommen viele Fälle herein", sagt Hannes Seidelberger vom Schutzverband gegen unlauteren Wettbewerb. "Es wird in unterschiedlichster Art versucht, Unternehmer mit täuschenden und aggressiven Geschäftspraktiken zu einer Vertragsunterzeichnung oder Zahlung zu bringen, die sie sonst nicht tätigen würden." Nachsatz: "In der Regel steht auch keine entsprechende Gegenleistung dahinter. Wir schicken fast wöchentlich mehrere Unterlassungsaufforderungen hinaus."
Laut Schutzverband kommt es auch vor, dass diese dubiosen Verzeichnis-Abzocker rechtlich nicht greifbar sind. "Sie regieren auf unsere Schreiben oft nicht", bestätigt Seidelberger. So ein Fall sei "Dieter Kowalski", der laut Schutzverband-Recherchen hinter Gelbindex stecken soll: "Den gibt es offenbar gar nicht. Auch sonst wird immer mehr unter reinen Fantasiebezeichnungen aufgetreten."
Laut Auskunft des irischen Telefon-Providers j2 global, die Unterlagen liegen dem WirtschaftsBlatt vor, hatte ein "Billiardcafe Kowalski" alias "Dieter Kowalski" mit Adresse in Nürnberg besagte Faxnummer mit Grazer Vorwahl angemietet. Die Rechnungen für den dubiosen Brancheneintrag verschickt ein Treuhandbüro in Mainz im Namen einer Firma "Media Service". Die Zahlungen sollen auf ein Konto mit der Bezeichnung "M. Wilhelm" bei der österreichischen Postsparkasse erfolgen. Im Fall "Kowalski" hat der Schutzverband Strafanzeige erstattet. In Salzburg läuft ein polizeiliches Ermittlungsverfahren.
Ziel sind Strafanzeigen
"Unser Ziel ist es, das Problem besser mit Strafanzeigen zu bekämpfen", sagt Seidelberger. "Aus Österreich haben wir fast alle diese Anbieter schon vertrieben, da ist es ihnen schon zu heiß geworden. Jetzt machen sie es vom Ausland aus, mit Fantasiefirmen, die man auch nicht klagen kann."
Auch das Wiener Justizministerium nimmt sich dieser strafrechtlich relevanten Werbetricks an. "Wir haben in der Arbeitsgruppe UWG mit dem Justizministerium vereinbart, dass unsere umfassenden Strafanzeigen in Kopie auch an das Ministerium ergehen, das diese auch kontrollieren wird", sagt Seidelberger.
Irreführende Anrufe
Die Abzocker werden nicht müde, ihre Methoden zu adaptieren. "Es gibt eine neue Masche. Unternehmen werden angerufen, ihnen wird gesagt, sie haben irgendwo ein Inserat laufen und wenn sie das kündigen wollen, dann sollen sie das bestätigen", erzählt Seidelberger. "Und viele Unternehmen sagen sich nun, ich weiß zwar nicht, was das ist, aber zur Sicherheit kündige ich es, damit keine Kosten auflaufen." Dann kommt ein Fax, darauf steht groß: "Kündigung - Auftrag läuft automatisch aus" und der Unternehmenr unterschreibt. Seidelberger: "Aber im Kleingedruckten steht, dass man damit einen neuen Auftrag erteilt hat. Das ist der pure Wahnsinn." |