| Stadtverwaltung distanziert sich von Marktplatz-Webseite
Von Adrian Hoffmann
20.06.2007
Bad Rappenau - Eine Webseite, die sich in einem Werbefax an regionale Betriebe als Internetplattform für Unternehmen in der Kurstadt beschreibt, scheint für Unsicherheit zu sorgen. In einer Notiz aus dem Rathaus heißt es: „Aufgrund von vielen Anfragen von Gewerbetreibenden aus Bad Rappenau weist die Stadtverwaltung darauf hin, dass die Internetseite www.marktplatz-bad-rappenau.de nicht im Auftrag oder in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung erstellt wird.“ Vor einer Unterschrift, wird angemerkt, sollten Gewerbetreibende genau prüfen, woher das Angebot komme und was es umfasse.
Bernd Kupitz von einem Rappenauer Computerfachhandel hat die Verwaltung darauf aufmerksam gemacht. „Ich bin da immer wachsam“, sagt er. Die Marktplatz-Domains sind bereits auch für Eppingen, Heilbronn und etliche andere Städte angelegt.
Auf der Webseite www.adressbuchbetrug.info ist ein Beitrag über die Calov Internet AG mit Sitz in Steinenbronn zu finden. Dort ist von „dubiosen Methoden“ die Rede und ein Verweis platziert auf ein Urteil des Amtsgerichts Böblingen vom 29. November 2005, das die Calov Internet AG zur Zahlung eines geringen Betrags an eine Klägerin verurteilt. Bei dieser hätte man vorher rückfragen müssen, ob sie tatsächlich eine kostenpflichtige Eintragung wünsche - so die Begründung.
Auf der betreffenden Webseite ebenfalls veröffentlicht ist eine Gegendarstellung der AG, in der sich das Unternehmen als seriöser Anbieter von Onlinedatenbanken bezeichnet. In dieser Darstellung, die Vorstandschef Andreas Calov bestätigt, heißt es weiter: „Da der Kunde auf unserem Vertragsformular [...] unterschiedliche Leistungen in Auftrag geben kann, kann der Endpreis nicht im Vornhinein feststehen, sondern ergibt sich aus der vom Kunden gewünschten Zusammenstellung.“ Am Schluss der Ausführungen bittet die Calov AG darum, die „uns betreffenden Informationen von Ihrer Seite zu entfernen.“ Im Gespräch mit der KS nennt Calov die Vorwürfe völligen Unfug. In der Antwort auf die Gegendarstellung schreibt der anonymisierte Autor, dass die Calov AG vermeintliche Kunden vor Gericht zerren wolle.
Auf der Marktplatz-Bad-Rappenau-Domain finden sich bereits die ersten Unternehmen, die ein Rückfax an Calov geschickt haben. Darunter der Stuckateurbetrieb Krepp aus Fürfeld. Ilka Krepp sagt, sie habe die Stadt für den Auftraggeber gehalten. Unter dem Punkt „Folgende Daten werden kostenlos im Marktplatz-Grundeintrag veröffentlicht“ habe sie das Wort Stuckateurbetrieb ergänzt. „Ein glasklarer Auftrag“, betont Calov.
Den Satz in Klammern, erklärt Ilka Krepp im Nachhinein, habe sie nicht gesehen. Dort steht: „Ein Suchbegriff kostenlos, weitere Suchbegriffe je fünf Euro monatlich.“. Krepp will den Vertrag jetzt kündigen. Laut dem Beitrag auf adressbuchbetrug.info könnte das so enden: „Man widerspricht entsprechend der Widerspruchsklausel im ’Vertrag’ und erhält [...] die traurige Mitteilung, dass diese Klausel nur für Verbraucher - nicht aber für Gewerbetreibende - gilt.“ |